„Sterne des Sports“

Sportvereine übernehmen große gesellschaftliche Verantwortung

Der FC Esslingen ist mehr als nur ein Sportverein: Gesellschaftliches Engagement hat oberste Priorität in dem Verein, der eine Vielzahl von sozialen, inklusiven und integrativen Projekten angestoßen hat und nachhaltig umsetzt. Sein Grundgedanke: „Fußball ist mehr als 1:0.“ Dafür ist der FCE gestern Abend (4. Dezember) in Stuttgart von den baden-württembergischen Volksbanken und Raiffeisenbanken mit dem „Großen Stern des Sports“ in Silber ausgezeichnet worden. Der Fußballverein aus Esslingen vertritt Baden-Württemberg damit  im bundesweiten Wettbewerb um die „Sterne des Sports“ in Gold, die am 24. Januar in Berlin von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier verliehen werden. Jeweils ein „Kleiner Stern des Sports“ in Silber ging auf Landesebene an den Rugby Club Rottweil und den Turn- und Sportverein 1863 Buchen (Neckar-Odenwald-Kreis).

„Millionen Menschen engagieren sich in Deutschland ehrenamtlich in Sportvereinen und leisten auf vielfältige Weise eine ungemein wertvolle Arbeit für die Gesellschaft“, betonte Volker Schebesta MdL bei der Preisverleihung im Stuttgarter GENO-Haus. Der Staatssekretär im Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg machte deutlich: „Werte wie Respekt, Fairness und gegenseitige Unterstützung sind die Grundlagen im Sport und für das gesamte gesellschaftliche Zusammenleben.“ Die feierliche Ehrung nahm Niko Kappel vor, Paralympics-Goldmedaillengewinner 2016 im Kugelstoßen.

„Die Menschen verdienen unser aller Respekt und Anerkennung“

Auch Dr. Roman Glaser, Präsident des Baden-Württembergischen Genossenschaftsverbands (BWGV), stellte die bürgerschaftliche und gesellschaftliche Bedeutung von Vereinen heraus: „Jedes Jahr zeigen die ‚Sterne des Sports’ eindrucksvoll, wie sich Bürgerinnen und Bürger in Sportvereinen für das Gemeinwohl verdient machen. Die Menschen, die hinter diesem vorbildlichen Engagement stehen, verdienen unser aller Respekt und Anerkennung.“ Mit der Auszeichnung „Sterne des Sports“ wollen die Genossenschaftsbanken herausragende Projekte würdigen und allen Ehrenamtlichen in den Vereinen für ihren täglichen Einsatz danken. Seit dem Jahr 2004 werden die „Sterne des Sports“ von den Volksbanken und Raiffeisenbanken gemeinsam mit dem Deutschen Olympischen Sportbund und den Landessportbünden verliehen. „Dieser Wettbewerb gehört zu den bedeutendsten Auszeichnungen für ehrenamtliches Engagement im deutschen Sport“, erklärte Andreas Felchle, Vizepräsident des Landessportverbands Baden-Württemberg. „Sie sind gewissermaßen die Oscars des Breitensports.“

FC Esslingen wird Landessieger mit einzigartigem Jugendkonzept

Mit dem FC Esslingen ehrt die Jury dieses Jahr einen Verein zum Landessieger, der es sich explizit zum Ziel gesetzt hat, seine rund 130 jungen Spielerinnen und Spieler in den Kinder- und Jugendmannschaften ganzheitlich auszubilden, damit sie zu toleranten und weltoffenen Erwachsenen werden. Daher gehören soziale, inklusive und integrative Projekte ebenso zum Vereinsalltag wie Fußballspielen. Im Zuge eines vereinsinternen Wettbewerbs „Mission Integration“ haben alle Jungen- und Mädchenmannschaften gemeinsam mit Partnern eigene inklusive Projekte entwickelt und durchgeführt. Es wurden ein Blindenfußball-Turnier organisiert und Erfahrungen gesammelt, wie es ist, als Beinamputierter mit nur einem Bein Fußball zu spielen. Manche Mannschaften arbeiten mit mehrfach und schwerstbehinderten Kindern, und andere Teams haben untersucht, welche Tücken im Alltag auf Rollstuhlfahrer warten. Sämtliche Ideen und Projekte stammen dabei von den Nachwuchsspielern selbst. Auf diese Weise ist ein enges Netzwerk mit verschiedenen Kooperationspartnern entstanden. Darüber hinaus engagiert sich der Verein, der im Jahr 2011 von Esslinger Fußballvereinen gemeinsam gegründet wurde, auch bei der Integration von Flüchtlingen. Der „Große Stern des Sports“ in Silber ist mit 2.500 Euro dotiert.

„Kleine Sterne des Sports“ gehen nach Buchen und nach Rottweil

Einen „Kleinen Stern des Sports“ in Silber erhält der Turn- und Sportverein (TSV) Buchen für sein generationsübergreifendes Projekt „Enkel trainieren Großeltern“. Die Idee ist, Senioren und Kinder zum gemeinsamen Turnen einzuladen. Durch die Spontanität und den Unternehmungsgeist der Kinder werden die Senioren angesteckt und bleiben länger aktiv und geistig fit, so das Ziel. Außerdem hilft die enge Bindung zwischen Enkeln und Großeltern den Älteren dabei, mögliche Hemmschwellen zu überwinden und sich regelmäßig zu motivieren. Aktuell zählt der TSV Buchen 850 Mitglieder, die über 60 Jahre alt sind – dies entspricht etwa einem Drittel der Gesamt-Mitgliederzahl. Das Engagement „Enkel trainieren Großeltern“, das übrigens nicht auf Verwandtschaftsbeziehungen beschränkt ist, profitiert nicht zuletzt von einer seit vielen Jahren praktizierten intensiven Fördertätigkeit des TSV, die jungen Menschen ermöglicht, sich zu Trainern ausbilden zu lassen. Hierzu kooperiert der Verein eng mit Buchener Schulen, insbesondere mit dem Burghardt-Gymnasium Buchen (BGB). Jedes Jahr qualifizieren sich zwischen 20 und 25 Schülerinnen und Schüler des BGB zu Übungsleitern mit C-Lizenz des Badischen Sportbunds – und der TSV ist stets mit bis zu sechs Schülern dabei. Von diesen fundierten Kenntnissen profitiert wiederum das Sportangebot des gesamten Vereins, das gerade im Senioren-Bereich ausgebaut werden kann.

Ebenfalls mit einem „Kleinen Stern des Sports“ in Silber ist der Rugby Club Rottweil ausgezeichnet worden. Dem Verein geht es darum, die zentralen Werte des Rugby-Sports – Solidarität, Disziplin, Respekt und Leidenschaft – Kindern und Jugendlichen zu vermitteln. Darüber hinaus begreift der Verein den körperbetonten aber fairen Sport als geeignete Maßnahme zur Gewaltprävention sowie zur Förderung von Integration. Zur Umsetzung dieser Ziele veranstaltet der Rottweiler Club Turniere und unterhält Kooperationen mit Schulen. Im Zuge dessen kann Rugby im Sportunterricht gespielt und als zusätzliche Arbeitsgemeinschaften angeboten werden. Auf diese Weise konnte bereits mehr als 1.000 Jugendlichen Rugby näher gebracht werden. Außerdem engagiert sich der Rugby Club bei der Integration spanischer Familien in der Region, die aufgrund der hohen Jugendarbeitslosigkeit in Spanien nach Deutschland gezogen sind. Und minderjährige, allein reisende Flüchtlinge können am regulären Jugendtraining des Vereins teilnehmen. Die beiden „Kleinen Sterne des Sports“ in Silber sind mit jeweils 1.250 Euro dotiert.

Die Auszeichnung „Sterne des Sports“ wird auf kommunaler, Landes- und Bundesebene vergeben. Eine Jury aus Vertretern des Sports, der Volksbanken und Raiffeisenbanken, der Kommunen sowie der Medien bewerten die eingehenden Bewerbungen.