420 000 Euro für einen Zwölf-Kilo-Barren

Esslingen: Volksbank-Veranstaltungen zum Thema „Faszination Gold“im Neckar Forum

Am Golde hängt, zum Golde drängt doch alles …“, seufzte schon Margarete in Goethe „Faust“ beim verführerischen Anblick von glänzenden Ketten und Ohrringen. Doch Schmuck allein ist nicht alles. Was mit Gold heutzutage noch möglich ist, beispielsweise Wertanlagen, darüber hat die Volksbank Esslingen im Rahmen einer Kundenveranstaltung zum Thema „Faszination Gold“ informiert. Natürlich wurde für den Abend „das Schmuckkästlein unter den Esslinger Veranstaltungshallen“ ausgewählt, wie Moderator Andreas Fischer betonte: das Neckar Forum.

Schmuck und Anlage

„Gold ist knapp. Gold glänzt.“ Volksbankvorstand Heinz Fohrer machte aus seiner eigenen Faszination keinen Hehl. Rund 170 000 Tonnen des Edelmetalls wurden bisher weltweit abgebaut. Täglich kommen 3200 Tonnen dazu. Insgesamt gibt es offenbar noch 56 000 Tonnen in der Erde. Man kann’s zwar fälschen. Und die Gefahr ist groß. Aber es lässt sich nicht beliebig vermehren, was den Reiz erhöht. Fohrer nannte weitere Vorteile: nahezu unzerstörbar, werterhaltend und inflationssicher. Es braucht wenig Platz. Gut, ein bisschen mehr als Diamanten, aber immerhin lasse sich alles Gold der Erde eingeschmolzen auf einen Würfel mit der Kantenlänge 20 mal 20 mal 20 Meter formen, was einem Viertel des Volksbankgebäudes in der Fabrikstraße entspreche. Oder anders ausgedrückt: ein iPhone 4 hat exakt die Barrengröße von einem Kilo Gold. Kostenpunkt für das Goldstück: etwa 35 000 Euro. Eignet sich zwar nicht zum Telefonieren, aber durchaus als Geschenk. Und so verteilt sich das Gold deutschlandweit: 40 Prozent als Anlage, 50 Prozent als Schmuck und zehn Prozent für die Industrie. Wobei ein deutliches Nord-Süd-Gefälle zu verzeichnen ist, wie Professor Dr. Jens Kleine vom Reserach Center for Financial Services erklärte. Zwar haben die Süddeutschen laut Umfrage insgesamt mehr Gold. Aber im Norden gibt’s mehr Schmuck. Überhaupt schneiden deutsche Damen im internationalen Schmuckvergleich schlecht ab. Sie tragen nur 4000 Tonnen. „Viel zu wenig“, findet der Institutsleiter. Studien belegen, dass ein Viertel der Besitzer Gold geerbt haben, ein weiteres Viertel hat es geschenkt bekommen und die Hälfte hat es selbst gekauft. Der größte Besitz ist Schmuck mit 61 Prozent, gefolgt von Barren und Münzen und als Schlusslicht Wertpapiere. Interessant ist auch, dass mit fast 8700 Tonnen mehr als doppelt so viel Gold in privaten Safes lagert als im Tresor der Bundesbank. „Es ist schön, wenn man in den Tresor schaut und es glänzt einen an“, freute sich Kleine und versicherte, dass sich damit nicht die große Rendite erzielen lasse, aber das Vermögen vor Wertverlust schütze.

„Wer Gold hat, hat immer Geld“, soll Voltaire bereits im 18. Jahrhundert gesagt haben, behauptete Norbert Brendel, Bereichsleiter Private Banking bei der Volksbank. Der Goldpreis zog immer dann an, wenn sich große Krisen auftaten, wie die Finanzmarktkrise 2008/09 und Europäische Staats- und Euro-Schuldenkrise 2011. Sein Fazit: „Durch sämtliche Krisen dieser Welt geht Gold als Sieger hervor.“ Anhand eines Mustervermögens mit mittlerer Risikobereitschaft sehe die Vermögensstruktur im Idealfall fünf bis zehn Prozent Gold vor. Als Anlagevarianten kommen Barren und Münzen oder Wertpapiere in Frage.

Aber nicht alle mögen’s goldig.Bei der anschließenden Podiumsdiskussion gab sich EZ-Chefredakteur Gerd Schneider kritisch gegenüber dem Edelmetall. Ihn beschäftigt die Frage, weshalb der Run auf Gold so enorm ist in Deutschland, die Aktienquote aber so erbärmlich. Kleine sieht eine Antwort in der Tatsache, dass Gewinner in Deutschland nicht gefeiert werden - im Gegensatz zur USA, in der diejenigen, die Kursgewinne erzielen, positive Zuwendung bekommen. Brendel erkennt jedoch Lichtblicke im Anlageverhalten - gerade von jungen Menschen, die über eine längere Zeit scheibchenweise in gut gemanagte Fonds investieren. Über die Entwicklung des Goldpreises wagte er keine Prognose.

Aus der Barentsee geborgen

Als glänzender Abschluss durften die Besucher einen zwölf Kilo schweren Goldbarren von 1937 in einer Sicherheitsvitrine, flankiert von bewaffnetem Securitypersonal, live besichtigen. Brendel lieferte zuvor den geschichtlichen Hintergrund des heute 420 000 Euro teuren Schatzes, der eigens für die Veranstaltung ausgeliehen wurde. Er ist einer von insgesamt 465 Goldbarren mit russischem Prägestempel, die am 2. Mai 1942 mit dem britischen Schlachtkreuzer Edinburgh in der Barentsee versanken. Deutsche Zerstörer hatten das Schiff schwer beschädigt. Bis 1981 lagerte der Staatsschatz des Zaren in 260 Meter Tiefe, 180 Seemeilen vor Murmansk im Kriegsgrab.

Artikel von Petra Bail, Eßlinger Zeitung vom 25. Oktober 2017