InklusionsPreis 2017 – alle zusammen

"Wasni leistet Beitrag für eine gute Gesellschaft"

Esslingen: Textilunternehmen erhält die Auszeichnung – Einstieg in den ersten Arbeitsmarkt

Das inklusive Textilunternehmen Wasni in der Esslinger Küferstraße hat den von der Volksbank Esslingen und der Eßlinger Zeitung ausgelobten Inklusionspreis 2017 gewonnen. Die Arbeitswelt stand diesmal als Thema im Mittelpunkt der Preisrunde, und diese Arbeitswelt wird in dem etwas anderen Modeatelier in ganz besonderer Weise gelebt. Die Hälfte des jungen und engagierten Teams sind Menschen mit Behinderungen, die bei Wasni eine verantwortungsvolle Aufgabe finden. Damit leistet Wasni das, was heute vielfach noch die Ausnahme ist: Menschen mit Behinderungen werden in den ersten Arbeitsmarkt integriert.  

2500 Euro für das Projekt

Zugegeben: Die Volksbank und die EZ waren etwas enttäuscht über die schwache Resonanz auf den diesjährigen Inklusionspreis mit nur einigen wenigen Bewerbungen. Denn immerhin sind Unternehmen ein ganz entscheidender Faktor, wenn es darum geht, Menschen mit Behinderungen eine gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen. Dort, wo das Miteinander am Arbeitsplatz zum Normalfall wird, gerät Inklusion zum Vorbild. Und so entschied sich die Jury letztlich für Wasni, verzichtete auf die ursprünglich geplante große Preisverleihung und brachte die mit 2500 Euro dotierte Auszeichnung gleich selbst im Geschäft in der Küferstraße vorbei. Mit dem Geld soll es dem Chef Daniel Kowalewski nun gelingen, das Projekt weiter auf Erfolgskurs zu halten. Für die beiden Volksbank-Vorstände Heinz Fohrer und Markus Schaaf steht fest: „Wasni leistet einen Beitrag für eine gute Gesellschaft.“ Und auch EZ-Herausgeberin Christine Bechtle-Kobarg ist begeistert von dem Geist und von dem unternehmerischen Mut, der im ehemaligen Kunsthaus Huggele in der Küferstraße herrscht. Matthias Berg, Fachpreisrichter für den Inklusionspreis, ehemaliger Esslinger Vize-Landrat und erfolgreicher Behindertensportler, weiß, wovon er spricht, wenn viele sich zusammensetzen und über Inklusion reden. Er war an der Entstehung des Bundesteilhabegesetzes in Berlin beteiligt und hat festgestellt, wie schwer es ist, sich auf Kompromisslösungen zu einigen. Bei Wasni ist der Name Programm. Denn die einzelnen Buchstaben stehen für „Wenn anders sein normal ist“. Da bedarf es keiner großen Konferenzen, sondern des festen Willens, einer guten Idee sogleich Taten folgen zu lassen. „Den ersten Arbeitsmarkt für Menschen mit Behinderungen öffnen.“ Das ist für Matthias Berg ein ganz entscheidender Punkt. „Die Menschen zeigen, was sie können, und das ist in jedem Fall preiswürdig.“  

Auf den Leib geschneidert

Erst kürzlich hat Wasni den zweijährigen Geburtstag gefeiert und Gründer Daniel Kowalewski denkt an Befürchtungen, wonach man dem kleinen Unternehmen eine Lebenszeit von nur wenigen Monaten vorhergesagt hatte. Aber das Geschäft mit individuell und handgefertigten Hoodies, Sweater und Jacken aus Bio-Baumwolle läuft gut, nicht zuletzt dank zweier glücklicher Begleitumstände. So hat Wasni im ehemaligen Kunsthaus Huggele in der Küferstraße ideale Räumlichkeiten zu einem bezahlbaren Mietpreis gefunden. Und dann ist da natürlich das Team, welches Hand in Hand für ein Produkt arbeitet, von dem es überzeugt ist. Pullis auf dem Leib gemessen und geschneidert: Damit hat Wasni eine Marktlücke entdeckt und besetzt. Auf dem großen Schneidetisch im ersten Stock des Hauses werden die unterschiedlichen Einzelteile für einen Pulli mit oder ohne Kapuze und auf Wunsch mit allerhand modischen Accessoires von Hand zugeschnitten, bevor es in der Manufaktur im Erdgeschoss darum geht, die Teile mit Spezialmaschinen sorgsam zusammen zu nähen. Danach folgt eine strenge Endkontrolle und noch der Weg über das Bügelbrett, „damit die Kunden ein schönes Produkt mit nach Hause nehmen können“, sagt die kleinwüchsige Nadine Feist, die nach ihrer Ausbildung an der Modeschule in Stuttgart direkt bei Wasni angefangen hat. Wer ein individuell gestaltetes und genau auf die Körpermaße zugeschnittenes Sweatshirt oder eine Jacke erstehen will, muss sich schon bis zu drei Wochen gedulden, bis das gute Stück fertig ist. Denn schließlich gibt es das Teil nicht von der Stange, sondern es geht durch viele fachkundige Hände, bevor es über die Ladentheke gereicht wird. Oder das Geschäft läuft über den Online-Shop, den Wasni während der vergangenen Wochen neu aufgebaut hat.

Bestes Jung-Sozialunternehmen

Übrigens: Nicht nur der Jury des Inklusionspreises „Alle zusammen“ ist das Textilunternehmen aufgefallen. Im Dezember 2016 wurde Wasni beim Heldenmarkt, einer Messe für nachhaltigen Konsum in Fellbach, als bestes Start-up unter den Ausstellern ausgezeichnet. Und im vergangenen Mai hat eine Jury Wasni zum besten Jung-Sozialunternehmen in Baden-Württemberg des Jahres 2017 gekürt.

Artikel von Christian Dörmann, Eßlinger Zeitung vom 19. Oktober 2017