IM ZINSTIEF

Das Mittel zum Zweck

Lebensgrundlage, Wertspeicher, Diener: Geld hat für Menschen ganz unterschiedliche Funktionen

Foto: Stotz

Mit dem Geld ist es so eine Sache. Viele versuchen, dem Kontostand nicht allzu große Bedeutung im Leben einzuräumen. Reich sein mache nicht glücklich, heißt es dann - aber dennoch brauche man das Geld. Unsere Redakteurin Melanie Braun hat mit einigen bekannten Persönlichkeiten aus Esslingen und der Region darüber gesprochen, was Geld für sie bedeutet, wie sie es anlegen und welche Auswirkungen die Niedrigzinsphase auf ihr persönliches Leben hat. Bei einem sind sich alle einig: Geld ist nicht alles - aber es ist trotzdem existenziell.

„Ich muss noch gut schlafen können“

Heinz Fohrer, Vorstandsmitglied der Volksbank Esslingen, findet, dass die Höhe der Zinsen überhaupt nichts mit dem Sinn des Sparens zu tun habe. „Ich spare, um mir zu einem späteren Zeitpunkt etwas Größeres leisten zu können.“ Und man gebe nicht alles sofort aus, um möglichst immer flüssig zu sein. Dennoch habe die Niedrigzinsphase deutliche Auswirkungen auf sein persönliches Leben: „Mir steht irgendwann eine etwas kleinere Altersvorsorge zur Verfügung, als ich vor vielen Jahren annahm.“ Andererseits bezahle er auf seine Baufinanzierung auch deutlich weniger Zinsen als ursprünglich angenommen. Allerdings seien die niedrigen Zinsen bei seiner Arbeit als Bankenvorstand noch viel deutlicher spürbar, etwa beim Wegfall des Zinses als Regulativ für Investitionen, im Hinblick auf Sozialsysteme, Stiftungen oder Immobilienpreise und auch im Zusammenhang mit der Bereitschaft der Bürger, höhere Risiken einzugehen als sie eigentlich wollten.

Nachdem Fohrer als Jugendlicher nur auf eins sparte – auf ein Moped –, legt er heute viel Wert darauf, sein Geld auf verschiedene Anlageformen zu verteilen. So hat er sowohl ein Tagesgeldkonto als auch Lebensversicherungen sowie Anlagen in Investmentfonds und Aktien. „Damit habe ich für mich eine gute Balance zwischen Verfügbarkeit und Rendite“, sagt Fohrer. „Meine Anlagestrategie wähle ich nur so, dass ich damit gut schlafen kann.“ Schließlich sei Geld letztendlich nur Mittel zum Zweck und die Möglichkeit, diese Mittel aufzubewahren. Vom Geld könne man leben, sich damit aber auch Wünsche erfüllen und Ziele erreichen. „Geld ist Sicherheit, Möglichkeit und Verantwortung zugleich“, sagt Fohrer.

Eßlinger Zeitung vom 24.12.2016