01.12.2016: Orientierung im Ausbildungsdschungel

ESSLINGEN: Berufsnavigator hilft Neuntklässlern auf der Suche nach dem passenden Beruf

Foto: Eisenhardt
von links: Celine (14), Pia (15), Berater Torsten Räder und Marijana (15). Die Mädels besuchen die Klasse 9c der Zollberg-Realschule.

Soll ich eine Ausbildung beginnen oder weiter auf die Schule gehen? Wo liegen meine Stärken und welcher Beruf passt dazu? Bei der Beantwortung dieser Fragen tun sich viele Schulabgänger schwer. Für Realschüler bietet die Volksbank Esslingen im sechsten Jahr den „Berufsnavigator“ an - einen computergestützten Test mit anschließendem Beratungsgespräch, der etwas Licht ins Dunkel der Berufswahl bringen soll. Erstmals mit von der Partie ist auch das Esslinger Mörike-Gymnasium.

Celine (14), Pia und Marijana (beide 15) aus der Klasse 9c der Zollberg Realschule gehen gemeinsam mit Berater Torsten Räder die Ergebnisse ihres Berufsnavigator-Tests durch. Pia interessiert sich unter anderem für den Beruf der Kinderkrankenschwester und der Tiermedizinischen Fachangestellten. Beides Bereiche, die zu ihrem Persönlichkeitsprofil bestens passen. "Der Test ergibt am Ende fünf Berufe, die nach den Stärken der Schüler ausgewählt werden und fünf weitere, die sich an den Interessen orientieren. Im Beratungsgespräch können wir zusätzlich auf weitere Berufsinteressen eingehen und schauen, ob die Anforderungen dafür erfüllt werden", erklärt Räder. Bei den drei Mädels tauchen die Berufe auf der Liste mit auf, für die sie sich vorher schon interessiert haben. "Das zeigt uns jetzt, dass wir damit nicht falsch lagen", freuen sie sich. Celine schwebt eine Ausbildung zur Hotelfachfrau vor, Marijana interessiert sich für die Kfz-Mechatronik,  Pia, die nach eigener Aussage sehr vielseitig interessiert ist, hat sich noch nicht konkret festgelegt: "Das ist ja eine Entscheidung für eine lange Zeit, da möchte ich mich noch weiter informieren. Aber etwas mit Menschen oder Tieren, ein Beruf in dem Kommunikation gefordert ist, das würde zu mir passen." Noch mehr Aufschluss bringen könnte das nächste Betriebspraktikum, das für die Neuntklässler im März ansteht. Positiv am Berufsnavigator sei auch, dass man teils bislang unbekannte Ausbildungsberufe kennenlernt, sagen die Mädels.

330 Neuntklässler - Rekord bislang - der Riegelhof-Realschule Nellingen, der Zollberg-Realschule und der Realschule Oberesslingen haben sich im diesjährigen Durchgang für den Berufsnavigator angemeldet, der in dieser Woche stattfindet. Mit von der Partie sind zudem erstmals Neuntklässler des Esslinger Mörike-Gymnasiums. Bereits im sechsten Jahr bietet die Volksbank Esslingen das computergestützte Berufsauswahlverfahren an. Im ersten Teil - dem Computertest - beurteilen sich die Klassenkameraden in Kleingruppen gegenseitig aber anonym. Mit einem Handsender müssen die Schüler ihre Freunde anhand von rund 50 Persönlichkeitsmerkmalen einschätzen. Die Bewertungsskala reicht von 1* (überragend) über die gängigen Schulnoten 1 (sehr gut) bis 6 (ungenügend). Bewertet werden beispielsweise Bereiche wie die Belastbarkeit, Kreativität, Ehrgeiz oder Ausdauer. Der Computer spuckt schließlich eine Liste mit zehn zum erstellten Profil passenden Berufsvorschlägen aus. Diese und weiterführende Möglichkeiten zur Berufsfindung werden dann im Beratungsgespräch näher erörtert. Zudem erhalten die Schüler ein Teilnahmezertifikat, das sie späteren Bewerbungen beilegen können.

Neben den Schülern selbst zeigen sich auch die drei Berufsorientierungsbeauftragten, Carmen Wiedmann (Zollberg Realschule), Robert Riedl (Riegelhof-Realschule Nellingen) und Felix Finkbeiner (Realschule Oberesslingen) vom Berufsnavigator überzeugt: "Teils haben die Schüler vorab schon eine Vorstellung, was sie gerne einmal beruflich machen wollen, teils noch überhaupt nicht. Einmal von anderen hinsichtlich der eigenen Stärken und Schwächen beurteilt zu werden, hilft jedem individuell weiter", ist Finkbeiner sicher. Das sehen auch seine Kollegen so. Als sehr aufschlussreich beurteilen sie das an den Test anknüpfende Beratungsgespräch in den Kleingruppen: "Hier kann nochmals flexibel auf die Interessen der Schüler und die dazu passenden Berufsbilder eingegangen werden", so Carmen Wiedmann. "Sobald der Berufsnavigatortest startet, wird den Schülern die Bedeutung der Berufswahl bewusst", beobachtet Simone Vollmer, bei der Esslinger Volksbank im Marketing und für den Bereich Junge Kunden zuständig. "Ihnen wird klar: Hier geht's um meine Zukunft." Die Berufsfindung sei ein langer Prozess, so Robert Riedl. Der Berufsnavigator zeige den Schülern vielfältige und individuelle Optionen fürs spätere Berufsleben auf. Das Projekt soll auch künftig fortgesetzt werden: "Kontinuität ist uns hier sehr wichtig", betont Markus Schaaf, Vorstandsmitglied der Esslinger Volksbank. "Die Schüler stehen in der neunten Klasse an einem wichtigen Entscheidungspunkt, hier wollen wir mit dem Berufsnavigator eine Hilfestellung geben. Sicher hat nicht jeder sofort einen Aha-Effekt, aber zumindest eine erste Orientierung.

Artikel und Foto von Katja Eisenhardt, Eßlinger Zeitung vom 01.12.2016