Zwischen Markt- und Verkehrswert

ESSLINGER: Je knapper und teurer das Wohnungsangebot ist, desto mehr setzen die Besucher der Leistungsschau auf fachmännische Beratung

Das Internet kann die persönliche Beratung nicht ersetzen. Das haben die Gespräche auf der Immobilienmesse der Eßlinger Zeitung im Neckar Forum sehr schnell gezeigt. Wie es aus dem Kreis der zwölf Aussteller heißt, traten die Interessenten informierter auf als früher. Dennoch – oder vielleicht gerade deshalb – hatten sie viele Fragen, die ihnen die Experten der Wohnbaugesellschaften, Bauträger, Makler und Finanzdienstleister aus der Region kompetent beantworteten.

EZ-Verlegerin Christine Bechtle-Kobarg (vordere Reihe rechts), OB Jürgen Zieger (links neben ihr), EZ-Chefredakteur Gerd Schneider (rechts hinter ihr) und die Vertreter der zwölf Aussteller freuen sich über eine gelungene Messe im Neckar Forum.

Von Peter Dietrich

Etwa eineinhalb Stunden hat das junge Esslinger Paar auf der Immobilienmesse in Neckar Forum verbracht. Es hat gefunden, wonach es gesucht hat, und sich in einige Karteien aufnehmen lassen. „Die Leute sind informierter als vor zehn Jahren“, sagte Corinna Reinicke, Immobilienmaklerin bei Garant Immobilien. Die Einschätzung der Interessenten sei realistischer geworden. Gesucht werde genauso nach Wohnungen wie nach Häusern. „Wir finden für die meisten etwas.“ Allerdings sei die Preisvorstellung bei Verkäufern „manchmal völlig überzogen“. Nach zehn Besichtigungen sei mancher geläutert. Andererseits seien Verkehrswertgutachten „zum jetzigen Zeitpunkt meist niedriger als das, was der Markt hergibt“. Deshalb sei es wichtig, „erfahrene Immobilienmakler hinzuzuziehen, die den Markt in- und auswendig kennen und einzuschätzen wissen“.

Zentrale Lage gesucht

Anton Nagl, Auszubildender bei Schaber Immobilien, kennt den Wohnungsmarkt vor allem in Stuttgart. „Gesucht werden eher zentral gelegene Wohnungen mit zwei bis vier Zimmern.“ Das sei zu finden, versicherte er, wenn auch bei gestiegenen Preisen.

„Die Verkäufer merken immer mehr, wie knapp die Immobilien sind“, sagte Jens Müller, Immobilienmakler bei der Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen. „Manche haben unrealistische Preisvorstellungen.“ Das Netz gebe diese wieder. Gesucht würden familienfreundliche Häuser und Wohnungen, Kapitalanleger suchten gut vermietete Eigentumswohnungen oder auch Modelle wie das betreute Wohnen. Weil das Angebot im städtischen Bereich zu gering sei, komme es zu einer Verlagerung: „Stuttgarter zieht es nach Esslingen, Esslinger auf den Schurwald.“ In den vergangenen Monaten sammelten in der Stadt immer mehr Anbieter einige Interessenten und riefen dann das Bieterverfahren auf. Es gebe zwar nach wie vor noch Leute, die nach sozialen Gesichtspunkten entschieden und ihr Haus „in gute Hände geben wollten“, sagt Abteilungsleiter Rainer Sommer. Doch sie würden weniger. Die Finanzierung müsse passen. Nehme ein Ehepartner wieder eine bezahlte Arbeit an oder werde ein Kinderwunsch erfüllt, müsse sich die Rate anpassen lassen. Außerdem riet Sommer zu einer langen Zinsbindung und hohen Tilgung. „Eine 20-jährige Zinsbindung gibt es nicht überall“, sagte Michael Bess, Inhaber von Bruder und Bess Immobilienfinanzierung. Vor dem Zinssatz schaue er nach dem richtigen Konzept. „Wir haben alle großen Institutionen im Programm.“ Seinen Kreditvertrag mache der Kunde mit der Bank. „Wir vermitteln nur und werden bei Erfolg von der Bank bezahlt.“ Weil er der Bank Arbeit abnehme und Großkunde sei, bekomme er bessere Konditionen. Er wolle dem Kunden nichts anders verkaufen: „Wir machen nur Baufinanzierungen.“ Bess rät, bei Anschlussfinanzierungen genau hinzusehen. „Die Angebote liegen zum Teil ein halbes Prozent über dem Marktpreis.“ Zudem passten nun vielleicht eine andere Zinsbindung und Rate. Beim Energiezentrum Esslingen ging es vor allem um den Energieausweis und das Heizen, berichtete Patrick Schibat, Leiter des Energiezentrums. Der Verbrauchsausweis sei subjektiv, warnte die Esslinger Architektin und Energieberaterin Barbara Thiele-Höfler. Nur wer die Gewohnheiten der Vorbewohner kenne, könne ihn einordnen. „Nur beim Bedarfsausweis entdecke ich Schwachpunkte des Gebäudes.“ Ein Verbrauch von 100 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr sei mit einer Sanierung gut zu erreichen, stellte sie in Aussicht. Bei manchen Hausbesitzern zähle erst der gesetzliche Druck, etwas machen zu müssen. Oder Fördermittel. „Wenn sie 1000 Euro Zuschuss bekommen, legen viele nochmals 20 000 Euro drauf.“