Besuch in der Karamempel

„Karamempel ist in diesem Jahr supermodern.“ Peri ist sehr stolz auf die Kinderspielstadt im Stuttgarter Westend. „Wir haben ein Umfrageinstitut, eine Wellnessoase und sogar eine Botschaft der Südsee.“ Diese besteht hauptsächlich aus einer Hängematte, in der man bequem alle viere von sich strecken kann, was wegen der andauernden Hitze keine schlechte Idee ist. In den beiden ersten Ferienwochen war das Gelände des Stadtstrands in der Esslinger Weststadt fest in Kinderhand. Organisiert vom Stadtjugendring haben rund 250 Kids pro Woche in der Kinderspielstadt die Macht übernommen und ausprobiert, wie ein modernes Stadtleben funktioniert. Gerade so wie in der Nachbarkommune Esslingen gab es einen demokratisch gewählten Stadtrat, der sich um die Belange der Bürger kümmerte und wegen seiner Entscheidungen auch mal Unmut kassierte. Bezahlt wurde mit der eigenen Währung „Mempel“, die man sich z.B. in der Gärtnerei, der Bank oder der Bäckerei verdienen musste. Vom Stundenlohn von sechs Mempeln wurde einer als Steuer an die Stadt abgeführt. Den Rest konnte man in aller Ruhe beim Konsumieren auf den Kopf hauen. „Unsere Pflanzen sind so begehrt, dass wir sie schon versteigern müssen“, sagt Betreuerin Vanessa Schweinberger. In der Gärtnerei wurden Blumen und kleine Pflänzchen eingepflanzt und umgetopft, die die Gärtnerei Mergenthaler gestiftet hatte. Die Töpfe dazu haben die Kids mit Hingabe angemalt.

Betreuer investieren ihre Freizeit

Vanessa gehört zu den 30 ehrenamtlichen Betreuern, die ihre Freizeit mit den Karamempelkids verbringen. Von der Vorbereitung der Arbeitsstellen über Aufbau, Begleitung und Abbau fließt jede Menge ihrer Zeit in die Kinderspielstadt. Ihnen standen in diesem Jahr die „Minians“ zur Seite, Teenies, die selbst Bürger von Karamempel waren und jetzt in die Betreuung einsteigen. „Die Jugendlichen sind heute durch Schule und Ausbildung so gestresst, dass sie oft nicht lange dabeibleiben“, meint Markus Benz, der Geschäftsführer des Stadtjugendrings. „Darum freuen wir uns sehr über die Teilnahme der Minians.“ Vanessa kann dem nur zustimmen. „Ich bin sehr froh, dass Jonas mit dabei ist“, meint sie. In der Bank unterstützte Giuseppe Cappelari aus Italien das Betreuerteam. Anfang Mai hat er seinen sechsmonatigen europäischen Freiwilligendienst beim Stadtjugendring begonnen. „Ich habe mich zwar in Italien als Pfadfinder engagiert, aber ein so großes Projekt gab es da nicht.“ Im Umgang mit den Kindern verbesserte sich sein Deutsch von Tag zu Tag. Inklusion wird in der Kinderspielstadt großgeschrieben. Neben einigen Kindern mit besonderem Betreuungsbedarf war in diesem Jahr auch eine Betreuerin mit Handicap dabei.

Staatsbesuch gibt sich die Ehre

Dass die Stadt Esslingen eine Delegation in ihre quicklebendige Nachbarkommune schickt, ist schon gute Tradition. In diesem Jahr wurde sie von Sozialbürgermeister Markus Raab angeführt. Ihn begleitete Markus Schaaf, einer der beiden Chefs der Volksbank Esslingen. Die Volksbank unterstützt die Kinderspielstadt von Anfang an. „Wir wollen Kindern die Gelegenheit geben, die Ferien in einer Umgebung zu verbringen, die man kreativ mitgestalten kann“, meint Schaaf. Vieles funktioniere wie im richtigen Leben. „Mich fasziniert natürlich besonders die Bank.“ Eingebürgert hat sich auch, dass eine Abordnung von Karamempel im Vorfeld in der Volksbank einen sehr willkommenen Scheck überreicht bekommt. Dass die druckfrischen ersten Mempelscheine in der Bank im Tresor aufbewahrt werden, ist ebenfalls selbstverständlich.

Ein Knopf begeistert

Markus Raab  hatte kurz vor seinem Staatsbesuch ein Problem der ganz besonderen Art. Von seinem Hemd, einem Lieblingsstück aus Mexiko, hatte sich ein Knopf gelöst, so dass der Bürgermeister sich extra umziehen musste. Mit Hilfe eines Ersatzknopfs, den Volksbankvorstand Markus Schaaf von der Innenseite seines Hemds löste, konnte der Schaden in der Schneiderei von Karamempel behoben werden. „Das haben die Mädchen ganz toll gemacht“, lobte er und ließ sich mit Sonnenbrille und Cowboyhut mit den Schneiderinnen ablichten.

Durchgehend Sonne und Hitze

Organisiert wurde die Kinderspielstadt von Viktor Kollmannsberger und Sabrina Maurer, die beim Stadtjugendring fürs „Spielmobil“ zuständig sind. Neben allem Spaß, den die Kinder hier haben, erleichtert sie berufstätigen Eltern die Betreuung ihrer Kinder in den Ferien. Dafür wurde vor der eigentlichen Kernbetreuungszeit von 9:00-16:00 eine Frühgruppe eingerichtet. In diesem Jahr wurde die Kinderspielstadt durchgehend von Hitze und Sonne begleitet, gegen die man sich wappnen musste. „Schirmmützen sind bei uns Pflicht“, sagt Kollmannsberger. „Und als es in der ersten Woche besonders schwül war, haben wir oft Wasserspiele gemacht.“ Das Gelände im Westend, das sonst den Esslinger Stadtstrand beherbergt, findet Geschäftsführer Markus Benz ideal. „Hier müssen wir auf keine Nachbarn Rücksicht nehmen“, meint er. „Die Kinder können sich frei entfalten.“

Zwiebel vom 20.08.2015

Artikel von Petra Weber-Obrock