Weil das Gehirn wie Pudding ist

Landesweite Radhelmkampagne "Schütze Dein Bestes" zu Gast am Mörike-Gymnasium Esslingen

Nürtinger / Wendlinger Zeitung, 16.07.2014, Artikel von Peter Dietrich

Vizeweltmeister Markus Stahlberg bei der Bike-Trialshow im Rahmen der landesweiten Radhelmkampagne "Schütze Dein Bestes" im Mörike-Gymnasium in Esslingen
Bild: Volksbank Esslingen eG

Mit voller Wucht haut ein Siebtklässler des Esslinger Mörike-Gymnasiums mit dem Gummihammer auf den Holzkopf. 447 Kilogramm zeigt das Display. So ein Aufprall könnte für das Gehirn schlimme Folgen haben. Beim Tragen eines Fahrradhelms reduziert sich der Aufprall auf 210 Kilogramm.

Jedem Zuschauer war schnell klar: Der Helm hat einen großen Teil der Energie aufgenommen. „Hau den Lukas“ ist eine von vielen Aktionsflächen der landesweiten Radhelmkampagne „Schütze Dein Bestes“. Die Kampagne ist eine Kooperation des Innenministeriums, des Gewinnsparvereins der Volks- und Raiffeisenbanken und vielen weiteren Partnern. Die Volksbank Esslingen hat die Aktion in die Stadt und ans Mörike-Gymnasium geholt.

Dort staunten rund 300 Fünft- bis Siebtklässler nicht schlecht, welche Kunststücke Vizeweltmeister und Deutscher Meister Markus Stahlberg bei seiner Bike-Trialshow zu zeigen hatte – natürlich alle mit Helm.

„Man kann alles richten, nur das Gehirn nicht“, betonte Stahlberg, der auch schon einen Fahrradunfall auf der Straße hatte.

Begonnen hatte der Aktionstag mit einem kurzen Film. Gezeigt wurde ein junger Mann, der nach einem dramatischen Fahrradunfall mit dem Sprechen und Gehen große Mühe hat. In der Mensa wurde es mucksmäuschenstill. „Das Gehirn ist weich wie Pudding“, informierte der Leiter der Kinderneurochirurgie des Universitätsklinikums Tübingen, Martin Schuhmann, in seinem Filmbeitrag. Darum sei es ringsum von Knochen umschlossen. Verstand, Sprache, Wissen, Gefühle, Wünsche, Träume – für das alles braucht es das Gehirn. Darum ist es der verwund-barste Punkt des Menschen. Der Autofahrer, sagte Schulleiter Wolfgang Tanzer, sei von der Karosserie geschützt, der Radfahrer durch nichts. Im Jahr 2013, sagte Polizeipräsident Hans-Dieter Wagner, seien in Baden-Württemberg 50 Radfahrer bei Unfällen ums Leben gekommen. „Fast drei Viertel trugen einen Helm.“ Manche scheuten sich wegen der Frisur, räumte Wagner ein, aber er findet dennoch: „Es ist uncool, ohne Helm unterwegs zu sein.“ „Wir haben nur einen Kopf, und wenn es dem schlecht geht, geht es uns schlecht“, sagte Volksbankvorstand Markus Schaaf, um sofort wieder den Platz für die Bike-Trialshow frei zu machen.

Nach dieser machten sich die Schüler in kleinen Gruppen auf zu den Aktionsflächen. Die Unfallkasse Baden-Württemberg ließ die Schüler in einem Quiz Helme und Tätigkeiten zuordnen, vom römischen Legionär bis zum Astronauten. Beim Verkehrssimulator der Kreisverkehrswacht Esslingen reagierte mancher junge Radler auf die Gefahren viel zu langsam. Polizeihauptmeisterin Anja Schlatter informierte über die richtige Beleuchtung fürs Fahrrad: „Auch was blinkt, ist nicht zulässig.“ Zumindest am Fahrrad – am Rucksack oder am Helm sei das etwas anderes.

Eine Fotokabine war ebenfalls aufgebaut. In dieser ließen sich die Schüler mit den eigens für die Kampagne entworfenen, ansprechend bunten Helmen fotografieren. Dazu gab es am Aktionstag für jeden Schüler einen Quizbogen. Bei einer der Fragen müssten selbst viele Erwachsene passen: Wie lange kann man einen Fahrradhelm benutzen? Nach fünf Jahren oder nach einem Sturz sollte er ausgetauscht werden.