Sich wohl fühlen, wenn andere Erfolg haben

Volksbankchef Volker König und sein Abschied, der eigentlich keiner ist - Den Blick stets auf die Menschen gerichtet

Eßlinger Zeitung, Artikel von Christian Dörmann, 08./09.02.2014

Zum ungewöhnlichen Abschied ein Toast auf die Zukunft (von links): die Zweierspitze
der Volksbank mit Markus Schaaf und Heinz Fohrer, Volker König und Aufsichtsratsvor-
sitzender Hartmut Richter. Foto: Bulgrin

So ein richtiger Abschied im klassischen Sinne war es eigentlich nicht, als dem ehemaligen Vorstandsvorsitzenden der Volksbank Esslingen, Volker König, gestern zu seinem Ausstand ein großer Bahnhof bereitet wurde. Immerhin arbeitet er bereits seit Jahresbeginn als stellvertretender Vorstandschef bei der Volksbank Schwäbisch Hall-Crailsheim, schon weil ihm der Gedanke an Ruhestand wenig behagt. Aber aus Esslingen ist Volker König weg, der Ende April seinen 65. Geburtstag feiert und dem es wichtig ist, auch künftig seine Erfahrungen weiterzugeben.

Gerade in Zeiten der Finanzkrise hat Volker König nie mit seiner Meinung hinter den Berg gehalten, wonach ungebremstes Gewinnstreben auch für einen Banker letztlich kein erfolgreiches Geschäftsmodell sein kann. Wie König gestern während eines Empfangs vor zahlreichen Mitarbeitern seines Hauses sowie Gästen aus Politik und Wirtschaft sagte, sieht er sich mehr als den Banker, der sich wohl dabei fühlt, wenn er zum Erfolg anderer beitragen kann. Und auch wenn er mit „großer Wehmut“ Abschied von seinen Mitarbeitern, von Esslingen und natürlich von seiner Volksbank nimmt, erscheint ihm das Zeichen, welches vor seiner Bank steht, nicht das Wichtigste zu sein: „Entscheidend ist, wie die Menschen darin arbeiten und welche Philosophie gelebt wird.“ Einer, der es mit Blick auf die Volksbank Esslingen und auf Volker König weiß, ist der Dick-Eigentümer und Kinobetreiber Heinz Lochmann, der sich im Namen der Kunden bedankte: „Er hat an mich und meine Pläne geglaubt. Der Erfolg des Unternehmens Lochmann ist letztlich der Erfolg von Volker König.“

Nicht immer waren die Zeiten für die Volksbank Esslingen so rosig wie in den vergangenen zehn Jahren, als das Haus unter Königs Führung seinen Eigenkapitalanteil um fast 14 Prozent zu steigern vermochte. Daran erinnerte der Aufsichtsratsvorsitzende Hartmut Richter. Denn in den 90er-Jahren wuchs das Institut vor allem durch Fusionen und deshalb galt es eine gemeinsame Identität zu schaffen. Ein Prozess, den König konsensorientiert und damit erfolgreich begleitet habe.

Und so hinterlässt der Unruheständler ein wohlbestelltes Haus, wie ihm Oberbürgermeister Jürgen Zieger in seiner Rede attestierte. Dies sei eine Folge erfolgreichen Wirkens, zu dem auch die Identifikation mit der Stadt und der Region gehört habe. Zieger würdigte das Sponsoring-Engagement der Bank in den Bereichen Kultur, Sport und Jugend – dazu habe König „als Akteur in der Stadt“ immer gestanden.

  

Ehrennadel in Silber

  

„Sie haben es gut gemacht“, lobte Verbandsdirektor Gerhard Schorr vom Baden-Württembergischen Genossenschaftsverband und ließ den Worten Taten folgen, indem er König mit der Ehrennadel in Silber seines Verbandes auszeichnete. Volker König habe als erfolgreicher Netzwerker gewirkt, Stabilität ins Haus gebracht, bei seiner Arbeit stets die Menschen gesehen und auf seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter geachtet, hob Gerhard Schorr hervor.

Der gebürtige Backnanger Volker König hat bei der Deutschen Bank in Stuttgart seine Ausbildung zum Bankkaufmann gemacht, studierte Betriebswirtschaftslehre an der Fachhochschule Heilbronn, bevor sich weitere Stationen bei der Deutschen Bank bis hin zum Direktor der Bezirksfiliale in Ravensburg anschlossen. Volker König wechselte zur Kreissparkasse auf Vorstandsposten in Ludwigsburg und Calw, im Jahr 1998 führte ihn sein Weg schließlich zur Volksbank. In Bad Mergentheim war er Vorstandssprecher und 2002 übernahm er dann den Posten des Vorstandschefs bei der Volksbank Esslingen.