Positive Zahlen und krititsche Töne

Volksbank legt bei der Vertreterversammlung die Bilanz für 2013 vor

Eßlinger Zeitung, 28. Mai 2014, Artikel von Kornelius Fritz

Die Vertreterversammlung der Volksbank Esslingen eG bei der Abstimmung

 

 

Nicht auf Gewinnmaximierung, sondern auf solides Wirtschaften mit kalkulierbarem Risiko ist das Geschäftsmodell der Volksbank Esslingen ausgerichtet. Mit dieser Strategie hat das genossenschaftlich organisierte Institut die Bankenkrise unbeschadet überstanden, und auch für das vergangene Jahr konnte der Vorstand bei der Vertreterversammlung positive Zahlen präsentieren. Trotzdem sind Heinz Fohrer und Markus Schaaf nicht ohne Sorgen.

Eine Bilanz mit vielen Pluszeichen präsentierte das neue Führungsduo der Volksbank am Montagabend im Neckar Forum den 300 Vertretern, die die mehr als 30 000 Mitglieder der Genossenschaftsbank repräsentieren. Sowohl die Einlagen der Kunden als auch das Kreditvolumen sind 2013 leicht gestiegen (siehe Anhang). Vor allem die Nachfrage nach Immobilienfinanzierungen war so hoch wie nie zuvor, selbst der gute alte Bausparvertrag erlebt eine Renaissance. „Das bis vor einigen Jahren als konservativ gesehene Produkt genießt heute den Ruf von Modernität, Unabhängigkeit und Sicherheit“, sagte Heinz Fohrer, der nach dem Ausscheiden von Volker König gemeinsam mit dem von der PSD-Bank gekommenen Markus Schaaf eine Doppelspitze bildet.

Der Bilanzgewinn der Volksbank lag 2013 bei 2,12 Millionen Euro und damit knapp unter den 2,14 Millionen des Vorjahres. Eine Million fließt davon in die Rücklagen, der Rest wird an die Mitglieder ausgeschüttet, die sich wieder über eine Dividende von 5,5 Prozent freuen dürfen.

„Gefährliches Gebräu“

Dass der Gewinn trotz wachsender Umsätze nicht gesteigert werden konnte, ist unter anderem eine Folge der anhaltend niedrigen Zinsen. Heinz Fohrer sieht die Politik der Europäischen Zentralbank kritisch: Deren expansive Geldpolitik bilde in Kombination mit den niedrigen Zinsen auf Dauer ein „gefährliches Gebräu“, sagte Fohrer und kritisierte überdies die Wirtschaftspolitik der neuen Bundesregierung.

Auch Markus Schaaf schlug im Neckar Forum kritische Töne an. Die „zunehmende Regulatorik des Bankenaufsichtsrechts“ als Folge der Bankenkrise belaste kleinere Institute enorm. Dass für die Volksbank Esslingen nun die gleichen Regeln gelten sollen wie für internationale Investmentbanken will ihm ebenso wenig einleuchten wie die EU-Pläne für eine Reform der Einlagensicherung, die das Aus für den Garantiefonds der Genossenschaftsbanken bedeuten würde. „Dabei sind wir die einzige Bankengruppe in Europa, die während der Finanzkrise keine staatliche Unterstützung benötigt hat“, betonte Schaaf.

Während man auf solche Entscheidungen keinen Einfluss hat, will sich die Volksbank intern fit für die Zukunft machen. Unter dem Titel „Step 2020“ wurde deshalb kürzlich ein Strategieentwicklungsprozess eingeleitet, denn Heinz Fohrer weiß: „Wir haben heute eine gute Position, aber unser Geschäftsmodell bleibt nur zukunftsfähig, wenn es weiterentwickelt wird.“

Aufsichtsratsänderungen:

Im neunköpfigen Aufsichtsrat der Volksbank Esslingen kommt es zu zwei Veränderungen: Der bisherige Aufsichtsratsvorsitzende Hartmut Richter sowie Walter Straub scheiden aus Altersgründen aus dem Gremium aus. Als neue Mitglieder wählte die Vertreterversammlung den  Oberbürger-meister der Stadt Ostfildern, Christof Bolay, und den geschäftsführenden Gesellschafter der Sektkellerei Kessler, Christopher Baur, in den Aufsichtsrat. Birgit Zeller wurde in ihrem Amt bestätigt und bleibt für weitere drei Jahre Mitglied des Aufsichtsrats.

Bilanz 2013

Die wichtigsten Zahlen aus der Bilanz der Volksbank Esslingen im Überblick:

Bilanzsumme:               1296 Mio. (+1,4 %)
Kundeneinlagen:
            977 Mio. (+0,7 %)
Kundenkredite:
              914 Mio. (+2,2 %)
Eigenkapital:                  122 Mio. (+4,9 %)
Bilanzgewinn:                2,12 Mio. (-0,9 %)