Wegweiser zu den eigenen vier Wänden

Gut besuchte Immobilienmesse der EZ im Neckar Forum -Große, stadtnahe und barrierefreie Wohnungen gefragt.

Eßlinger Zeitung, 19. Mai 2014, Artikel von Christian Dörmann und Peter Dietrich

OB Jürgen Zieger und Verlegerin Christine Bechtle-Kobarg freuen sich mit den Ausstellern über eine gelungene Immobilienmesse. Foto: Bulgrin

 

Wer eine Immobilie kaufen möchte, sollte genau hinschauen, denn der Markt hat vieles zu bieten, er birgt aber auch Tücken. Während der zweitägigen, von der EZ veranstalteten Immobilienmesse im Esslinger Neckar Forum halfen zahlreiche Lotsen, mögliche Klippen des Immobilienkaufs zu umschiffen, sich über das aktuelle Angebot aus erster Hand zu informieren und Kontakte zu knüpfen. Der Expertenrat war sehr gefragt.

Während der Eröffnung der Immobilienmesse im Neckar Forum wies Esslingens Oberbürgermeister Jürgen Zieger auf die besondere Situation auf dem Immobilienmarkt hin.
Die Nachfrage sei derzeit deutlich größer als das Angebot. Dies hänge auch mit den guten wirtschaftlichen Bedingungen in der Region zusammen. Indem neue Arbeitsplätze geschaffen würden, steige vor allem der Druck auf den Wohnungsmarkt. Und auch wenn es nicht immer populär sei, darauf hinzuweisen: „Die Geschäftsgrundlage der Stadt sind nun einmal ihre Einwohnerinnen und Einwohner“, sagte der OB auch mit Blick auf die aktuelle Diskussion über neue Wohnflächen in Esslingen.

Börse des regionalen Markts

Die Immobilienmesse hat sich nach den Worten von Christine Bechtle-Kobarg, Verlegerin der Eßlinger Zeitung, längst als wichtige Börse für den regionalen Immobilienmarkt etabliert. Im achten Jahr ihres Bestehens sei das Interesse unvermindert groß, auch wenn der Markt derzeit eng sei. „Gerade deshalb erfüllt die Messe eine wichtige Funktion für potenzielle Käufer und für die Immobilienwirtschaft“, betonte Bechtle-Kobarg.

Seit 1. Mai ist der Energieausweis bei Verkäufen und Vermietungen Pflicht. Klingelt beim Energiezentrum Esslingen derzeit das Telefon, berichtet Mitarbeiterin Andrea Schäfer, gehe es zu 90 Prozent um den Energieausweis: „Wir machen diesen nicht selbst, aber wir haben Ansprechpartner“. Auch auf der Immobilienmesse fragten viele am Wochenende beim Energiezentrum nach dem Ausweis.

Andere Schwerpunkte waren an diesem Stand die Heizungserneuerung, Förderprogramme und der Stromverbrauch: „Ich verbrauche ganz viel Strom. Ich kann mir nicht vorstellen, wo das herkommt.“ Helfen kann ein Stromspar-Check, bei dem das Energiezentrum mit der Caritas kooperiert.

Sparen wollen sich viele Immobilienkäufer die Maklerprovision – und tappen manchmal in die Falle. Was nütze es, warnt Jens Müller, Immobilienmakle bei der Kreissparkasse, wenn eine Wohnung im Internet provisionsfrei angeboten werde, aber den geforderten Preis bei weitem nicht wert sei. „Viele Privatanbieter liegen über den Preisen der Makler“, sagt Rainer Sommer, Abteilungsleiter bei der Kreissparkasse. „Das Angebot ist sehr dünn, das treibt die Preise nach oben.“ Teils gebe es für ein Objekt fünf ernsthafte Interessenten. Mancher Verkäufer eröffne dann das Bieterverfahren. Doch es gebe auch die Oma, die ihr Häuschen an die junge Familie verkaufe – obwohl vielleicht ein anderer noch etwas mehr bezahlt hätte.

Unrealistische Vorstellungen hat nicht nur mancher Verkäufer, auch bei Käufern kann das der Fall sein – nur in die andere Richtung. „Die Wünsche und die finanziellen Möglichkeiten passen bei vielen nicht“, hat Annette Diez, Auszubildende bei der Volksbank Esslingen, beobachtet. Je länger die Suche, desto größer die Bereitschaft zu Kompromissen. „Die Leute sind bereit, Abstriche zu machen“, sagt Jürgen Pfund, Immobiliensachverständiger und Makler bei der Volksbank. So werde etwa aus dem Kriterium „barrierefrei“ nur noch „barrierearm“. Früher seien vermietete Wohnungen kaum verkäuflich gewesen, das sei heute anders. Es gebe auch Kunden, die eine Penthousewohnung für eine halbe Million Euro suchten, doch sie sei extrem schwer zu finden. Die Chance auf ein freistehendes Haus, sagt Jürgen Pfund, bestehe eher außerhalb, etwa in Reichenbach oder Lichtenwald.

„Die Nachfrage nach großen Wohnungen nimmt zu“, sagt Stefan Kast von Wohnbau Metzger und Co. Das neue Projekt seines Unternehmens in Wernau biete deshalb Grundrisse von 90 bis 128 Quadratmetern. Alle neuen Projekte nutzten soweit möglich Erdwärme. Die Investition sei etwas höher, doch so seien bei einer 100-Quadratmeter-Wohnung monatlich nur 30 Euro für Heizung und Warmwasser möglich. „Da wir Makler und Bauträger zugleich sind, begleiten wir Käufer auch beim möglichen Umbau“, wirbt Kast. Möglich ist auch das Wohnen in der Stadt mit viel Grün – etwa im Projekt Atrium, mit dem die Esslinger Wohnungsbau (EWB) den zweiten Bauabschnitt der Grünen Höfe in der Pliensauvorstadt eröffnet. Alle 19 Wohnungen zwischen 53 und 107 Quadratmetern sind barrierefrei. „Anders können wir nicht mehr bauen“, sagt Nicola Wenzel. Die EWB spüre das Interesse, fußläufig zur Innenstadt zu wohnen.

Finanzierung will gut geplant sein

Die Immobilienpreise sind gestiegen, dafür die Zinsen historisch niedrig. Ulla Grossmann, Finanzierungsberaterin der Kreissparkasse, rät deshalb zu einer langen Zinsbindung und einer höheren Tilgung. Dann könne auch bei eventuell wieder gestiegenen Zinsen die monatliche Rate konstant bleiben. „Das Risiko ist auf beiden Seiten“, betont sie. Die BBBank hatte neben Finanzierungen auch ein Schätzgewinnspiel mit Baumarktgutscheinen anzubieten. 150 Euro sind ein eher kleiner Schritt – aber jeder Weg zu eigenen vier Wänden beginnt mit kleinen Schritten.