„Eigenlob stimmt“

Olympionike Frank Busemann beim Damenabend der Volksbanken

Bildlegende: Heinz Fohrer (Vorsitzender der Bezirksvereinigung der Volksbanken Raiffeisenbanken im Kreis Esslingen, Vorstandsmitglied der Volksbank Esslingen eG), Sandra Achilles (Vorstandsvorsitzende der Volksbank Plochingen eG), Frank Busemann (Olympiasieger und Sportler des Jahres 1996), Nina Kröner-Paschen (Geschäftsführerin der Kröner GmbH, Hochdorf), Rafael Treite (Moderator).

Wernau. Gemeinsam hatten die sieben Volksbanken und Raiffeisenbanken im Kreis Esslingen zum Damenabend eingeladen, mit 500 Besucherinnen war das Wernauer Quadrium gut gefüllt. Auf sympathische Art gab der frühere Zehnkämpfer Frank Bu­semann Tipps zum Erreichen von Zielen und zum Umgang mit eigenen Stärken und Schwächen.

Wehe, er komme jetzt mit einer Sportmetapher, habe seine Ehefrau bei der Geburt des ersten Kindes gesagt, erzählte er freimütig. Von wegen „nur noch 500 Meter“ und Endspurt und so. Zunächst machte der Leichtathlet deutlich, wie sehr sein vier Jahre langes Training ein „Training für den Moment“ war: Zwar dauern die Zehnkämpfe ins­gesamt zwei Tage, doch netto summieren sich alle zehn Disziplinen auf lediglich acht­einhalb Minuten. Die längste davon ist mit rund 270 Sekunden der 1500-Meter-Lauf.

„Mir blieb gar nichts anderes übrig, als Sportler zu werden“, sagte Busemann. Schließ­lich wurde er bereits am Tag seiner Geburt, das war 1975, im Sportverein angemeldet. Er wollte Hürdenläufer werden, auch wenn er gesagt bekam, dass das nicht zu seinen Beinen und seinem Körperbau passe. Dann merkte er, dass auch andere keine opti­malen Voraussetzungen hatten.

„Acht Disziplinen konnte ich, zwei nicht“, sagte Busemann. Zuerst, im Jahr 1995, kon­zentrierte er sich auf das, was er nicht konnte. Dann merkte er, dass dies die falsche Strategie war. „Ich konzentrierte mich dann auf das, was funktioniert.“ 1996 holte er bei den Olympischen Spielen in Atlanta Silber. Wenn Sportler vor sich hin murmelten, gehe es um positive Affirmation, um kleine positive Glaubenssätze: „Ich schaffe das heute.“

Beim Weitsprung hatte er mit dem besten Freund um die Freundin gewettet, er wollte acht Meter springen. Er schaffte 8,07 Meter. „Ich durfte sie behalten und habe es ihr erst sechs Jahre später erzählt.“ Inzwischen sind beide 22 Jahre zusammen und glück­lich miteinander.

Busemann riet dazu, auch mal zufrieden zu sein mit dem, was man erreicht hat. „Ei­genlob stimmt.“ Aber sich auch neuen Herausforderungen zu stellen: Ein 42-jähriger Freund habe geklagt, sein Alltag sei immer gleich. „Aber er kreiert sich auch keine neuen Aufgaben.“

Die Wirkung von Selbstzweifeln können schrecklich sein: „Aus lauter Angst, einen Fehler zu machen, wurde ich mit 33,71 Metern zum schlechtesten Diskuswerfer der Welt.“ Inzwischen wurde sein Negativrekord anderweitig unterboten, und beim nächsten Wurf war Busemann Zweitbester des Feldes. Als ihn sein kaputter Arm am Speerwurf hinderte, wollte er nicht zum Neunkämpfer werden und begann das Training mit links. So fiel er von 67 auf 27 Meter zurück und begann dann, sich langsam hochzuarbeiten. Mit 28 Jahren hat er mit dem Spitzensport aufgehört. Dass solcher mehr mit Überlastung als mit Gesundheit zu tun hat, wurde durch die vielen Verletzungen, von denen Busemann erzählte, sehr deutlich.

Wie relativ Erfolg ist, machte Busemann ebenfalls klar. Als er eine Eisfigur hinaufklet­terte, hatte er extrem mit Höhenangst zu kämpfen und hing erst einmal ein paar Mi­nuten oben, konnte und wollte nicht zurück. Es war ihm peinlich, er verkroch sich. Am Ende des Tages war er der Held: Er war der einzige der 16 Teilnehmer, der hochge­kommen war.

Frank Busemann hat einen großen Unterschied zwischen Frauen und Männern ausge­macht: Frauen achteten auf die Warnsignale ihres Körpers. „Keine Frau läuft sich beim Marathon tot, das schaffen nur Männer.“ Sein Rat: Auf die Sprache des Körpers ach­ten, aber nicht leichtfertig aufgeben. „Man kann es nach drei Wochen nochmals pro­bieren.“

Wie sie im Beruf Hindernisse überwanden, berichteten Sandra Achilles, Vorstandsvor­sitzende der Volksbank Plochingen, und die Unternehmerin Nina Kröner-Paschen aus Hochdorf. „Ich kann auf Menschen zugehen, also kann ich auch Dichtungen verkau­fen“, sagte letztere zu ihrem Einstieg in eine Männerdomäne, als sie mit 22 Jahren den väterlichen Betrieb übernahm. Nach der Geburt ihres Sohnes nahm sie ein Jahr Auszeit, mit einem Tag pro Woche in der Firma. Die Firma und sie selbst gingen ge­stärkt daraus hervor.

Auch Heinz Fohrer, Vorstandsvorsitzender der Bezirksvereinigung der Volksbanken und Raiffeisenbanken im Kreis Esslingen und Vorstandsmitglied der Volksbank Esslin­gen, betonte den Wert von Auszeiten. Man lebe nicht nur für die Arbeit: Also ab mit dem Kind ins Stadion oder einen Hasenstall gebaut.

Artikel von Peter Dietrich, Eßlinger Zeitung vom 10. April 2017