Im Spannungsfeld von Filiale und Smartphone

Esslingen: Die Volksbank ist zufrieden mit dem Geschäftsjahr - Kundennähe trotz Digitalisierung wichtig

Die Volksbank Esslingen ist mit dem Geschäftsjahr 2016 zufrieden. Der Vorstand legte nun bei der Vertreterversammlung im Neckar Forum den Geschäftsbericht vor. Demnach verzeichnet die Bank bei einem Gesamtvolumen von 2,95 Milliarden Euro einen Bilanzgewinn von etwa 3,143 Millionen Euro. Für die ungefähr 33 000 Mitglieder bedeutet das die Ausschüttung einer Dividende von 5,5 Prozent.

Trotz einer deutlichen Zunahme des digitalen Geschäfts will die Bank an ihrer regionalen Verwurzelung und am persönlichen Kundenkontakt festhalten. Die 55. Vertreterversammlung im Neckar Forum stand im Zeichen des Spannungsfelds zwischen der stark gestiegenen Nachfrage nach digitalisierten Leistungen und der historisch gewachsenen Selbstverpflichtung zur Kundennähe. Vorstandsmitglied Heinz Fohrer erläuterte den etwa 250 Vertretern der fast 33 000 Mitglieder der Volksbank, dass sich das Kreditinstitut der Notwendigkeit bewusst sei, sich mit den Folgen der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank auseinanderzusetzen und dabei die Chancen der Digitalisierung des Bankgeschäfts zu nutzen. Gleichzeitig müsse den Kunden transparent gemacht werden, wofür die Bank stehe. „Ist die Volksbank die Filiale vor Ort, mein langjähriger Berater oder das Smartphone in der Hosentasche?“, fragte Fohrer.

Um darauf zu reagieren, sei eine Neuausrichtung fällig gewesen. „Mit der Strategie Nähe und digital sind wir überzeugt, unseren Auftrag zeitgemäß zu verwirklichen“, sagte Fohrer. Nach wie vor wünschten die Kunden den persönlichen Kontakt, doch das Online-Banking habe massiv im Tagesgeschäft Einzug gehalten. Mehr als 50 Prozent der Privatkunden setzten bei ihren Bankgeschäften auf das Internet, das bedeute deutlich geringere Erlöse in den Filialen, wenngleich noch keine von ihnen rote Zahlen schreibe. „Wir kämpfen aber mit der Auslastung der Filialen und haben bereits auf Fluktuationsebene Personal abgebaut. Derzeit machen wir uns Gedanken, die Öffnungszeiten in überschaubarem Rahmen anzupassen. Schließungen stehen nicht an“, berichtete Fohrer.

An der Bilanz lasse sich allerdings erkennen, dass sich die Bank in derzeitigen Spannungsfeld gut bewegt habe. Das gesamte Volumen an Einlagen, Krediten und Wertpapieren ist im vergangenen Jahr um 6,3 Prozent auf 2,95 Milliarden Euro gestiegen. Die Kundeneinlagen wuchsen um 43 Millionen Euro auf 1,1 Milliarden Euro, eine Steigerung um vier Prozent. Unter dem Strich weist der Geschäftsbericht einen Bilanzgewinn von ungefähr 3,143 Millionen Euro aus. Die Versammlung stimmte für den Vorschlag des Vorstands und des Aufsichtsrats, den Mitgliedern eine Dividende von 5,5 Prozent zu zahlen.

Regionale Verwurzelung als Stärke

Heinz Fohrer und sein Vorstandskollege Markus Schaaf zeigten in einer Zusammenfassung des Geschäftsberichts auf, dass sich trotz eines europaweiten Konzentrationsprozesses im Bankensektor und trotz des veränderten Kundenverhaltens die regionale Verwurzelung der Bank als Stärke erwiesen habe. „Die in der Region hereingekommenen Kundeneinlagen wurden fast eins zu eins als Kredite in der Region verliehen. Durch diese Deckung sind wir unabhängig vom Kapitalmarkt“, betonte Fohrer. Auch Schaaf hob die Bedeutung der Regionalität für die Sicherheit und Unabhängigkeit einer Bank hervor. Die Volksbank habe die Aufgabe, in der Region für die Menschen und Unternehmen da zu sein, „und nicht allen Entwicklungen an den internationalen Kapitalmärkten nachzulaufen“. Modernisierungen und notwendige wirtschaftliche Entwicklungen der Bank würden „als Mehrwert für ihre Eigentümer“ verstanden, man werde sich „nicht dem Diktat einer Gewinnmaximierung unterwerfen“.

Artikel von Peter Stotz, Eßlinger Zeitung vom 31.05.2017