Volksbank auf Zukunftskurs

Esslingen: Das Geldinstitut blickt auf ein erfolgreiches Jahr zurück, will sich aber neu aufstellen

(meb) - Niedrigzinsen, rasche Digitalisierung und immer mehr gesetzliche Vorgaben: Die Banken stehen derzeit vor großen Herausforderungen. Dennoch hat die Volksbank Esslingen für 2015 enorme Zuwächse zu verzeichnen: Die Zahl der Mitglieder stieg mehr als dreimal so stark wie üblich, bei den Vergaben der Neukredite erreichte man gar einen neuen Höchstwert. Dennoch will man sich für die Zukunft neu aufstellen.
Die Bilanz für 2015 kann sich sehen lassen: So wuchs das Kreditgeschäft um 32 Millionen Euro (3,4 Prozent) auf insgesamt 996 Millionen Euro. Mit neu vergebenen Krediten in Höhe von insgesamt 221 Millionen Euro wurde ein neuer Höchstwert erreicht. Auch die Summe der Einlagen von Kunden stieg um 2,5 Prozent auf 1,03 Milliarden Euro und der Zinsüberschuss, die wichtigste Ertragsquelle der Bank, legte mit 247 000 Euro (0,8 Prozent) leicht zu.
Zwar liegt das Ergebnis der normalen Geschäftstätigkeit mit rund 10,3 Millionen Euro um etwa 38 Prozent niedriger als im Vorjahr. Aber 2014 habe man einen außergewöhnlichen Ertrag von 9,8 Millionen Euro erhalten, daher seien die Zahlen nicht vergleichbar, stellte Markus Schaaf, Vorstand der Volksbank Esslingen, bei der Vertreterversammlung mit fast 300 Gästen am Montagabend klar.

Historischer Zuwachs an Mitgliedern

„Insgesamt sind wir sehr zufrieden“, betonte er. Wie in den vergangenen Jahren kann die Bank ihren Mitgliedern eine Dividende von 5,5 Prozent für 2015 auszahlen. Und nicht zuletzt stimmt der massive Zuwachs an Mitgliedern den Vorstand froh: Statt üblicherweise zwischen 100 und 600 Neulingen im Jahr kamen im vergangenen Jahr 1530 neue Mitglieder zur Volksbank – das sei ein Anstieg wie noch nie, hieß es.
Für die Genossenschaftsbank liegt der Grund für den Erfolg auf der Hand: Anders als andere Banken habe die Volksbank stets nachhaltig und vorausschauend gewirtschaftet und sei nicht auf Gewinnmaximierung ausgerichtet, betonten die Vorstände Heinz Fohrer und Markus Schaaf. Allerdings befinde man sich in einer Phase enormer Veränderungen, auf die man reagieren müsse, so der Tenor.

 

Kritik an Rahmenbedingungen

Doch so zufrieden man bei der Volksbank mit dem eigenen Geschäft ist, so kritisch sieht man die Rahmenbedingungen von außen. „Die Leidtragenden der aktuellen Zinspolitik sind vor allem die Sparer“, betonte Fohrer. Die Niedrigzinsen würden sich langfristig massiv bei der Altersvorsorge bemerkbar machen – dennoch könne er nur dazu raten, in diese Sparte zu investieren: „Zur Altersvorsorge gibt es keine Alternative.“


Die Bankenunion hingegen treffe vor allem kleine Regionalbanken wie die Volksbank. Diese habe nie einen Cent vom Staat gebraucht und immer eigenverantwortlich gehandelt und solle nun für die Fehler von anderen zahlen:
„Wir sind strikt gegen einen Rettungsfonds, in den alle einzahlen und von dem dann jede Hinz-und-Kunz-Bank in Europa Geld bekommt, wenn sie am Ende ist.“ Auch die Auswirkungen der steigenden Anforderungen ans Eigenkapital machen den Vorständen Sorgen. In einer Sache aber lassen sie sich nicht beirren: Man wolle so lange man es könne auf Negativzinsen für Privatkunden verzichten, betonte Markus Schaaf.

Artikel von Melanie Braun, Eßlinger Zeitung vom 01.06.2016