Gewinnspanne schmilzt weiter

Kreis Esslingen: Trotz Wachstum steigt der Kostendruck bei den zehn Genossenschaftsbanken - Überregulierung beklagt.

Wachstum in allen Bereichen, aber die Gewinnmargen schmelzen weiter. So liest sich die Bilanz der zehn Volks- und Raiffeisenbanken im Landkreis Esslingen für 2015. Heinz Fohrer, der Vorsitzende der Bezirksvereinigung (BZV), sprach gestern auch die Schattenseiten des erfolgreichen Jahrs an: Durch wachsende Überregulierung werde den Genossenschaftsbanken zunehmend das Wasser abgegraben, obwohl gerade sie sich in den vergangenen Jahren als stabilisierendes Element erwiesen hätten.

Zufrieden mit dem Jahresergebnis 2015 der Genossenschaftsbanken sind (von links) Martin Winkler (Volksbank Kirchheim-Nürtingen), Bruno Foldenauer (VR-Bank Hohenneuffen-Teck), Heinz Fohrer (Volksbank Esslingen) und Rainer Spannagel (Volksbank Filder).

2015 sei ein „intensives Jahr mit gutem Wachstum“ gewesen, so Fohrer. Beispielhaft für die gute Entwicklung sei das Plus von 4,8 Prozent beim Kreditvolumen. Dass die an die Kunden vergebenen Kredite seit 2010 von 3,5 auf 4,4 Milliarden Euro zugenommen haben, sieht er als „Beweis, dass wir auch in der Finanzkrise zu unserem Mittelstand gestanden sind“. Dem gegenüber steht beim Zinsüberschuss (151 Millionen Euro) nur ein Plus von 2,0 Prozent. Das werde sich fortsetzen, prognostizierte Fohrer, der zugleich Vorstandsmitglied der Volksbank Esslingen ist. Wegen des niedrigen Zinsniveaus gingen die Überschüsse weiter nach unten. Für die Volks- und Raiffeisenbanken im Kreis bedeute das immer mehr Kostendruck. „Wir werden unsere Prozesse verschlanken müssen“, sagte Fohrer. Im Bereich der Volksbank Esslingen seien keine betriebsbedingten Kündigungen vorgesehen, versicherte er. Doch würden in dem einen oder anderen Fall ausscheidende Mitarbeiter nicht mehr ersetzt. 2015 waren bei den Genossenschaftsbanken im Landkreis 1242 Mitarbeiter beschäftigt, genauso viele wie 2014. 76 Filialen gibt es im Landkreis. Anfang dieses Jahres hat sich die Zahl der Volks- und Raiffeisenbanken auf neun reduziert. Wie berichtet, haben sich die Volksbank Kirchheim-Nürtingen und die Genossenschaftsbank Wolfschlugen zusammengeschlossen. Weitere Fusionen stehen laut Fohrer derzeit nicht an.

Bruno Foldenauer, Vorstandssprecher der VR-Bank Hohenneuffen-Teck, beklagte die wachsende Regulierungswut, die den Genossenschaftsbanken das Leben schwer mache. Als Beispiel nannte er die „Wohnimmobilienkreditrichtlinie“. Für Foldenauer ein „bürokratisches Unding“. Allein in den zehn Genossenschaftsbanken im Kreis müssten sich um die 100 Mitarbeiter mit der Umsetzung dieser Richtlinie beschäftigen.

Ergebnisse des Geschäftsjahres 2015

  • Kunden: die zehn Volks- und Raiffeisenbanken im Landkreis Esslingen hatten 2015 mehr als 310 000 Kunden. Davon nutzten 130 423 die Online-Angebote. Das war ein Plus von 4,1 Prozent.
  • Weitere Kennzahlen: Kreditvolumen: 4,4 Milliarden Euro (plus 4,8 Prozent). Anlagevolumen: 5,2 Milliarden Euro (plus 4,5 Prozent), Bilanzsumme: 6,7 Milliarden Euro (plus 4,3 Prozent). Zinsüberschuss: 151 Millionen Euro (plus 2,0 Prozent), Provisionsüberschuss: 38 Millionen Euro (plus 5,4 Prozent). Mitarbeiter: 1242 (unverändert). Azubi-Quote: 8,2 Prozent (unverändert). Mitglieder: 152 687 (plus 1,1 Prozent).
  • Ertragslage: Dazu gibt es laut BZV-Sprecher Heinz Fohrer noch keine konkreten Zahlen. Die Bilanzen würden gerade erstellt. So viel sei aber schon klar: Der Ertrag werde „leicht unter dem Vorjahr“ liegen.
  • Förderbilanz: Zur Förderung von Vereinen und Gemeindeprojekten sowie zur Unterstützung sozialer Projekte schütteten die Genossenschaftsbanken 550 000 Euro aus.

Artikel von Harald Flößer, Eßlinger Zeitung vom 05.02.2016